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Das Zittern des Zufalls in Zeiten der Anmassung. Wie geht es Dir? Ein Buchladen am Ende der Einsamkeit

12.06.–05.09.2021

Wir befinden uns in Zeiten der Anmassungen, Prognosen, Behauptungen und Algorithmen. Vorbei das Stottern, Zittern und Beben, wie es Begegnungen mit Menschen, Kunst und Büchern bringen, wo Nebensätze mehr bewegen als alle Zoom-Sitzungen dieser Welt. "Wie geht es Dir?" fragt uns jedes Buch und jedes Kunstwerk und wir brauchen nicht zu antworten. Stattdessen empfehlen wir es weiter an Sie, an Euch und wer zufällig gerade neben mir steht und herzlichen Dank. Aus diesem Grund eröffnet die Kunsthalle Zürich für den Comeback-Sommer 2021 einen Buchladen mit den besten Büchern, mit Billardtischen und 10’000 Gesprächen. So entledigen wir uns der Einsamkeit als wäre sie ein Rollkragenpullover.

Mit einer Intervention von Shamiran Istifan, Skulpturen von Ursi Luginbühl und Subvocals von Emma McCormick-Goodhart und Bureau Eponym

Eintritt ist frei, bitte kommt tanzend.

Shamiran Istifan (* 1987) ist eine in Zürich lebende Künstlerin. «Ich liebe es, dass banale Objekte oder Bilder – manchmal unbewusst – mit Bedeutung aufgeladen sind. Dass sie sogar religiös werden, weil sie von einer Gesellschaft oder Kultur dahingehend definiert wurden, obschon diese vielleicht nicht einmal beabsichtigt hatte, dieses Ding überhaupt zu definieren. Es hat sich einfach aus visuellen und emotionalen Eindrücken, aus gelebter Erfahrung, heraus entwickelt, und das ist es, was mich inspiriert. […] Ich habe das LV-Logo (Louis Vuitton-Logo) durch zwei zusätzliche Punkte in ein arabisches Wort umgeändert. So wurde es zu «baana», was «trennen, durch Trennung offensichtlich werden» bedeutet. Dies lässt sich auch auf eine Gemeinschaft, eine Minderheit, anwenden, aber nicht nur hier, sondern eben in ihrem Heimatland, und auf die Wichtigkeit, manchmal durch strenge Traditionen, Symbole und Rituale geerdet zu werden.» Shamiran Istifan im Gespräch mit Sofya Aleynikova. Das 20 Meter lange Regal We’re carrying you, 2021, ist von Shamiran Istifan.

Ursi Luginbühl (1936-2017) war eine Schweizer Töpferin und Plastikerin. Von 1954 bis 1957 lernte sie in der Werkstatt der bekannten Keramikerin Margrit Linck in der Nähe von Bern. Die frühen Werke Luginbühls sind von Lincks Stil und Schule geprägt, besonders von ihrem funktionalen Geschirr (in den 1940er und 1950er Jahren schuf Linck immer wieder auch surreale Keramiken). Unter dem Einfluss ihrer Kinder, welche diese eher puristischen (aber sehr eleganten) Töpfe als langweilig bezeichneten, begann Ursi Luginbühl in den 1970er Jahren, mit phantastischen Elementen zu experimentieren. Es entstand ein eindrückliches Werk, das heute jedoch kaum über einen Insiderkreis bekannt ist, obschon Ursi Luginbühl als Frau des Eisenplastikers Bernhard Luginbühl vielen ein Begriff war. Natürlich scheinen in diesen zum Teil sehr grossen Keramikarbeiten Formelemente ihrer Freund*innen wie Jean Tinguely, Niki de St. Phalle und Daniel Spoerri durch. Gleichzeitig aber hat Ursi Luginbühl ein eigenes Werk entwickelt, das Purismus und Fantastik wegweisend verbindet. Dass ihre Kunst nicht in Schweizer Museen Eingang gefunden hat, ist nicht gut. Das Ensemble in der Kunsthalle Zürich stellt eine der bisher grössten Zusammenstellungen von Luginbühls Arbeiten dar. Sie findet zeitgleich mit einer ebenfalls umfangreichen Präsentation im Alten Schlachthaus in Burgdorf statt.

Emma McCormick-Goodhart ist Künstlerin, Autorin und Forscherin und lebt zwischen New York und London. Sie leitet das Bureau Eponym, das über alle Grenzen hinweg Namen für Projekte generiert. In der Kunsthalle Zürich präsentiert sie u.a. Sotto Voce, das zunächst in London als Klanginstallation in Belmacz The Ashtray Show West (Oktober 2018 – Januar 2019) gezeigt und später auf Montez Press Radio in New York ausgestrahlt wurde. Sotto Voce vereint Patrick Higgins von Zs (er «liest» Beethovens Heiliger Dankgesang mit einer Zigarette), dann David Hockney, Maggi Hambling, Chuck Close und Dwight Owsley, dem ehemaligen Chef der Bemelmans Bar im The Carlyle in NYC, der Rauchen als «kurzlebige, ungehörte Aussprache», als «wortlose Vokalisation» bezeichnet. Zudem enthält Sotto Voce auch kurze Archivaufnahmen von Francis Bacon, Jacques Cousteau (Unterwasserrauchen) und Bette Davis.

Agenda
Juni
Fr 11.06.
14:00–21:00
Eröffnung
Juli
Sa 03.07.
15:00–18:00

VOLUMES Book Club Edition 3

August
Fr 27.08.
18:00

VOLUMES Book Club

September
04.–05.09.
18:00–02:00

Die lange Nacht der Zürcher Museen

04.09.2021–05.06.2022
18:00–02:00

Die lange Nacht der Zürcher Museen